Freitag, 23. Dezember 2011

Eine Geschichte die ich mal gehört habe...


Es sollte das erste Weihnachtsfest nach dem Krieg werden. Es war noch nicht lange her, dass die Waffen schwiegen und die Menschen mühsam versuchten ein normales Leben zu führen.
Die kalten Winde rüttelten an den Ästen und es war als wollte uns das Wetter mit seiner harten Kälte zeigen, dass der Übergang zum friedvollen Leben nur langsam von statten gehen kann… als würden wir es nicht selber mitbekommen.
In dieser eisigen Zeit gab es viele windschiefe, undichte kleine Häuser in dem Dorf gleich am Waldesrand. In einem davon lebte ich mit meiner Familie, also mit meinem Mann, unseren 5 wundervollen Kindern und unserem Hund.
Das Essen war rar, im Krieg genauso wie jetzt, da hatte sich kaum etwas geändert. Mit viel Glück und Talent im Tauschhandel hatten wir es aber geschafft Monate lang alle Zutaten für einen Schokoladenkuchen anzusammeln. Dafür mussten mein Mann und ich einige Male auf Mahlzeiten verzichten, doch war es die einzige Möglichkeit gewesen unseren Kindern zum Heilig Abend wenigstens eine kleine Freude zu machen. An Geschenke war erst gar nicht zu denken. Und somit wollten wir am Heiligen Abend nach dem Kirchenbesuch alle zusammen den Kuchen verspeisen.
Einen Tag vor Weihnachten wütete ein heftiger Sturm in unserem Dorf. Zum Glück fanden wir genügend Kleidung und Stoffreste, um all die Löcher in den Wänden zu stopfen, in denen der Wind hineinkam. Da es schon früh dunkel wurde zündeten wir viele Kerzen an und während meine zwei Söhne und ich den Kuchen zubereiteten, sangen die anderen in der Stube Weihnachtslieder. Es war herrlich als der frische Kuchenduft durch das ganze Haus fuhr. Und in jedem Gesicht breitete sich voller Vorfreude ein breites Grinsen aus.
Selbst als wir am nächsten Tag von der Kirche zurückkamen konnte man noch den wunderbaren Geruch nach süßen Schokoladenkuchen in unserem Haus ausmachen. Gemeinsam deckten wir den Tisch. Als ich gerade den Kuchen dazu stellte klopfte es auf einmal an der Tür. Erschrocken sahen wir uns alle an. Es klopfte noch einmal. Wieder sahen wir uns zunächst an und dann auf den Kuchen.
„Hallo? Seid ihr da?“ fragte eine fröhliche Stimme.
Unsere Blicke tauschten sich aus. Wir alle wussten wer das war. Es war eine befreundete Familie, die wir seit Jahren kannten. Eine Familie mit nicht weniger als 6 Köpfen… 6Menschen, die den Kuchen sehen würden und auch etwas davon haben wollen würden, weil sie so was wahrscheinlich seit Jahren nicht mehr gegessen haben. Ich glaube wir alle hatten in diesem Moment das gleiche gedacht, jedenfalls handelten wir ohne weitere Absprache. Meine Kinder räumten leise das Geschirr weg, ich versteckte den Kuchen im Küchenschrank und mein Mann ging an die Tür und erwiderte nur „ Einen Augenblick!“, bis er schließlich die Tür öffnete.
„Gesegnete Weihnachten wünschen wir euch“ klang froh eine Frauenstimme und wir schauten in die Gesichter einer durchgefrorenen, aber glücklich  scheinenden Familie. Wir luden sie ein hereinzukommen und sich ein Weilchen an unserem Kaminfeuer aufzuwärmen. Es waren wunderbare Stunden die nur so dahin flossen… den Kuchen ließen wir aber in seinem Versteck. Zum Schluss konnte ich es nicht mehr länger aushalten und fragte, warum dieser Besuch denn gerade heute gewesen sei. Schließlich war Heilig Abend und da sind die Familien ja meistens unter sich. Verlegen schaute das Ehepaar zu Boden und nach einer Weile begann der Mann zu sprechen:
„Wir wollten euch fragen, ob ihr vielleicht noch ein paar Kartoffeln übrig habt und vielleicht ein wenig Holz. Wisst ihr, dieser Winter ist wirklich streng und… alles Holz ist aufgebraucht und… die wenigen Kartoffeln die wir noch hatten…
„Aber ja, aber ja“ sagte mein Mann, sprang auf und holte etwas Holz und ein paar Kartoffeln die wir erübrigen konnten.  Die Gabe war wie ein Tropfen auf einem heißen Stein und es war klar, dass das Holz höchstens für eine Stunde reichen würde und die wenigen Kartoffeln noch nicht mal eine Person sättigen würde. Aber was hätten wir tun sollen, wir mussten doch auch die nächsten Tage über die Runden kommen.
Als es dunkel wurde machten sie sich wieder auf den Weg. Sie bedankten sich noch sehr oft beim Gehen. Als das Gartentor quietschend zufiel und mein Mann die Tür schloss sahen wir uns alle betreten an. Es dauerte nicht lange und ich ging zum Küchenschrank und holte den Kuchen, meine Kinder deckten den Tisch wieder ein und wir saßen uns schweigend gegenüber. Ich wollte die Stimmung etwas auflockern und fragte gespielt munter wer denn jetzt ein leckeres Schokoladenstück haben wollte. Keiner antwortete. Das Feuer knisterte und draußen begann es zu schneien.
Was hatte der Krieg nur aus uns gemacht? Das wir noch nicht mal an Heilig Abend teilen konnten. Der gestrige Sturm hatte in dem Haus der befreundeten Familie Teile des Daches zerstört, so dass es unerträglich kalt dort sein musste… und trotzdem hatten wir sie gehen lassen. Nur an unser Wohl denkend haben wir lediglich das nötigste an Holz und Kartoffeln gegeben… und unseren Kuchen  wollten wir ganz für uns. Ich schämte mich so sehr. In all diese Gedanken hinein sprach einer meiner Töchter das aus, was wir alle gedacht haben „ Lasst uns Holz, Kartoffeln, Decken und den Kuchen zusammenpacken und zu unseren Freunden gehen!“ Und mit unseren Lächeln wurde dieser Plan besiegelt.
Wir packten alles zusammen, nahmen den großen Schlitten und wanderten durch den Schneesturm ans andere Ende des Dorfes. Dort angekommen läuteten wir an der Tür und als uns eines der Kinder aufmachte, strahlte es über beide Ohren und rief ins Haus hinein „Mutti, jetzt ist es Weihnachten!“.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein kuscheliges Beisammensein!

Eure Johanna

Sonntag, 18. Dezember 2011

Weihnachtszeit

Hallöle meine Lieben
Einun ist schon wieder so viel Zeit vergangen seit ich mich das letzte Mal gemeldet habe- tja, hier hab ich zurzeit echt zu tun, deswegen komm ich erst jetzt dazu! Erst einmal hoff ich, dass es euch allen gut geht und ihr die besinnliche Vorweihnachtszeit genießt und ihr vielleicht schon Schnee habt?! Da in letzter Zeit so einiges passiert ist, hab ich im Folgenden einfach mal die Dinge unterteilt, die euch erzählen möchte…

1.Dezember: Der große Kinderzirkustag
Ja, am ersten Dezember hatten wir dann unseren Auftakt zu unserem Ferienprogram. Schon Tage vorher gab es so viel zu tun. Wir wussten nicht mit wie vielen Kinder wir rechnen konnten, also haben wir uns auf 150 eingestellt. Dafür haben wir Bastelsachen, eine Zaubershow, Hulla Hup Reifen, Jonglieren, Origami, Kinderschminken, eine Pferdekutsche und ein abschließendes kleines Süßigkeitengeschenk vorbereitet. Ein Tag vorher war ich dann noch bis nachts um 3 Uhr gut dabei… Der Tag selber verlief wunderbar. Natürlich mit gaaaanz vielen Pannen- aber den Kindern ist das wohl nicht aufgefallen und die knapp 50 Kinder die da waren, waren super erfreut. Spontan gab es noch eine Pinjata und sogar eine Trommelband, die wir nen Tag vorher am Strand kennen gelernt haben. Für uns alle war dann aber wohl der Moment der schönste, als wir drauf angesprochen wurden, ob wir diesen Tag nicht noch einmal in Rivas in einem Kinderheim machen könnten, weil die Idee dieses Zirkustages  einfach so Klasse sei. Ich kann es kaum beschreiben, wie unsagbar glücklich ich in diesem Moment war und es immer  noch bin! :)

Das Ferienprogram
Ja, unser Ferienangebot läuft echt super! An zwei Tagen in der Woche veranstalten wir Angebote in der Bibliothek hier und mit knapp 20- 30 Kindern werden diese gut besucht! Es gab bis jetzt viele Weihnachtsbasteleien und auch einen Experimentiertag an dem wir sogar einen Vulkankuchen hatten, der sogar Brauselava gesprüht hat. Ja und bis jetzt waren wir auch schon zweimal in kleinen Dörfern, um auch dort mit den Kids zu spielen und zu basteln. Im Allgemeinen ist sehr viel Vorbereitung nötig und wir drei Mädels sind sehr eingespannt damit- aber ganz ehrlich: Was kann es schöneres geben, als im Dezember so viel zu arbeiten, um dann mit Kinderlächeln belohnt zu werden?!

Die Weihnachtszeit
Bei knapp 30Grad im Schatten manchmal- ganz ehrlich da kommt nur schwer Weihnachtsstimmung auf! In Nicaragua ist es aber trotzdem sehr spannend, wie die Vorweihnachtstage verbracht werden. Zum Beispiel gab es die ersten zwei Wochen JEDEN ABEND eine Prozession durch die Stadt, in der die Jungfrau Maria geehrt und gefeiert wurde. Seit dem 1.Dezember fliegen stets und ständig zu unmenschlichen Zeiten Raketen in die Luft, die Kirche selber ist eingedeckt mit blinkenden  Lichtern und in einigen Haushalten gibt es sogar Plastiktannenbäume. Mhm, wenn ich nicht ab und zu mit Leuten aus der Heimat telefonieren würde, würde ich aber trotzdem wohl kaum mitbekommen, dass in 5 Tagen Weihnachten ist. Ab und zu backen wir hier leckere Plätzchen und hören Weihnachtslieder- das ist dann sehr schön, aber auch traurig- Ja, diese Zeit hat es noch einmal in sich. Ich merke, wie gern ich jetzt zuhause wäre- bei meinen Ellis, in einer 100% vertrauten Umgebung, bei all den Ritualen die ich kenne und liebe… ja, Weihnachten wird dieses Jahr anders und ich kann nicht verschweigen, dass es für mich kaum ein Grund der Freude gibt. Der einzige Grund ist- naja und das ist ja auch der wichtigste, dass Jesus geboren wurde und das find ich toll und feier und ehr ich auch gerne… aber ansonsten gibt es keinen Grund warum ich mich auf Weihnachten freue- es ist wohl mehr so, dass ich hoffe, dass es schnell vorbei geht… Versteht das nicht falsch: ich bin froh diese Erfahrung machen zu können und ich bin  auch schon gespannt wie das hier so wird- aber es wird halt nicht so wirklich Weihnachten sein, weil…klar, weil ich einfach meine Familie und Freunde sehr vermisse!
Allgemein
Ja mir geht es recht gut zurzeit! Ich liebe mein Leben hier, meine Arbeit und…achja, geht mir einfach gut! Wenn ich doch mal ab und zu drüber nachdenke, dass in knapp 1,5Monaten Nicaragua schon vorbei sein soll… ei, dann kann ich das kaum glauben. Wie schnell die Zeit hier doch vergeht. Und ja ich muss gestehen, ich habe Angst vor dem Abschied. Wisst ihr damals dachte ich immer, es wäre schwer hierher zu gehen, diesen Schritt zu wagen überhaupt sich auf zu machen… Nun merke ich, dass das nichts gegen den Schritt ist, wenn man seine liebgewonnen neue Heimat wieder verlassen muss. Ich hab mich hier so eingelebt, neue Freunde gefunden und einen Lebensstil kennengelernt, der mir echt gut schmeckt! Mhm wie es wird, wenn ich wieder Heim komme?... Vielleicht ein kleines Beispiel, damit ihr mich ein wenig besser verstehen könnt. Diese Woche war ich in Managua, um dort mal in einem modernen Einkausfzentrum shoppen zu gehen. Dieser Versuch ist mächtig in die Hose gegangen! Wir kamen Mittags an und wollten was essen- ich war so überfordert von dem ganzen Angebot, das letztendlich Sophie für mich entschied und mir was holen musste. Und danach sind wir nur in einziges Geschäft gegangen- eine kleine Bücherei. Dort haben wir uns gefühlt „verschanzt“. Doch als wir dann nochmal durch dieses Kaufhaus mussten, um den Ausweg zu finden- hab ich so Herzrasen bekommen und war einfach so überfordert. Dieser Luxus, diese Scheinheiligkeit von Werbeplakaten…dieser Weihnachtsmann der den reicheren Kindern dort Schokolade gegeben hat, während nicht weit von dort in dreckigen Gassen andere Kinder in der Mittagshitze Zigaretten und Schmuck verkaufen müssen, um irgendwie über die Runden zu kommen…. So sieht es doch aus und so ist doch die Realität. Als ich wieder in San Juan landete, in meinem rustikalen vier Wänden konnte ich endlich wieder aufatmen…
Zum Schluss
Bleibt mir nur zu schreiben, dass ich euch eine gesegnete Weihnachtszeit wünsche und Frieden!
„Gott stärke unsere Füße, unseren Weg zu gehen an diesem Tag und jeden Tag, den er uns noch schenkt, an seiner Seite, unter seinem Segen.“ Wilma Klevinghaus
Eure Johanna